Praktikumsbericht von Matteo: April bis Juni 2010

Bundestagsabgeordneter von Bündnis 90/Die Grünen

Praktikumsbericht von Matteo: April bis Juni 2010

Matteo war unser zweiter Praktikant in Berlin. Vom 16. April bis zum 25. Juni 2010 absolvierte Matteo, der Politikwissenschafrt in Berlin an der Freiein Universität studiert, ein insgesamt zehnwöchiges Praktikum in unserem Berliner Bundestagsbüro.

Nachfolgend der

Praktikumsbreicht von Matteo Schürenberg

Ein Praktikum in einem der Berliner Abgeordnetenbüros des Bundestages bietet gute, oft auch nächste Einblicke in die parlamentarischen wie fraktions- und bürointernen Prozesse. Wie funktioniert die Parlaments- und Ausschussarbeit im Detail? Wie kommen Themen mehr oder weniger prominent auf die Agenda , wie nimmt eine politische Initiative ihren Weg der mal schnelleren, mal schwierigeren Meinungs- und Mehrheitsbildung durch die Fraktion und dann durch das Parlament und seine Ausschüsse? Wie gelingt die Abstimmung mit der eigenen Partei, dem Wahlkreis und den unterschiedlichsten gesellschaftlichen Gruppen? Und wie funktioniert ein Büroteam im Zusammenspiel mit anderen Abgeordnetenbüros und den zuständigen FraktionsreferentInnen sowie den weiteren Akteuren aus der Öffentlichkeit, den Medien und nicht zuletzt der Bundestagsverwaltung ganz konkret?

Wer sich für diese oft kleinteiligen und nicht immer gleich zu durchschauenden Prozesse interessiert, wird allein schon an den vielen verschiedenen Treffen und Sitzungen von Arbeitsgruppen/ -kreisen, Fraktion, Ausschüssen und Plenum, in denen es neben aller Formalia, Detailtiefe und Ernsthaftigkeit mitunter auch durchaus lebendig bis heiter zugeht (solange der Ausschussvorsitzende ein Rheinländer ist), seine Freude haben. Hier lässt sich unmittelbar jenes immer auch informelle (deswegen aber nicht unbedingt gleich intransparente oder gar inkorrekte) Interagieren der verschiedenen Akteure verfolgen, das in der politischen Praxis erst die komplexen formalen Strukturen und administrativen Reglungen mit Leben füllt und ins Laufen bringt.

Dabei kann die kontroverse Klärung einer formalen aber politisch brisanten Verfahrensfrage im Ausschuss ebenso spannend sein wie die im Stress der Sitzungswoche schnell improvisierte Absprache über den Flur hinweg oder wie die strategischen Überlegungen zur Ausrichtung des Teams in einem ruhigeren Moment während der Büro-Besprechung. Wie hierbei in den ganz unterschiedlichen Kontexten (Plenum, Ausschuss, Fraktion, Mitarbeiter-Abstimmung, öffentliche Veranstaltung) kommuniziert und entschieden wird, ist ebenfalls eine spannende Erfahrung in meinem Praktikum, die mein theoretisches Wissen über politische Institutionen, Kommunikation und Kultur um viele praktische Aspekte bereicherte.

Diese praktischen Erfahrungen sind freilich nicht nur aus politikwissenschaftlicher Hinsicht interessant, sondern geben Praktikantinnen und Praktikanten verschiedenster Studienrichtungen fruchtbare Einblicke ins Arbeitsleben komplexer (politischer) Organisationen, die im Übrigen auch von ganz konkretem Nutzen für die eigenen Arbeitsweise sind: Wie arbeitet man in einem zwar kleinen und flach-hierarchischen Team, das sich aber mit vielen weiteren wichtigen KooperatitionspartnerInnen vor dem Hintergrund einer dichten und sehr dynamischen Agenda abstimmen muss, zusammen? Wie setzt man dabei Prioritäten und behält den Überblick, um bestmöglich, effektiv aber auch politisch legitimiert und legitim gegenüber den Mitspielern zu verhalten, die letztlich immer auch ein – konstruktiv angegangen durchaus produktives – „Zuviel“ an Interessen und Informationen, Anforderungen und Aufgaben produzieren?

So erhielt ich nicht nur aufschlussreiche Einblicke in die Organisation eines Bundestagsbüros oder das Zustandekommen politischer Initiativen, sondern gewann bei eigenständigen Aufträgen und Projekten zunehmend selbst Übung darin. Denn die MitarbeiterInnen delegierten nicht nur vertrauensvoll sinnvolle, teils auch sehr spannende Aufgaben an mich, sondern begleiteten mich je nach Arbeitsschritt mit nützlichen Ratschlägen und gutem Feedback. Mehrere Aufgaben, wie die Formulierung und Redaktion von Texten (Positionspapiere, Artikel, thematische Beiträge, Protokolle), wurden auch in enger Zusammenarbeit erstellt.

Dennoch sollte man genügend Eigeninitiative mitbringen, um sich im Stress der Sitzungswochen auch selbstständig in mitunter kurzfristige Aufgabenstellungen einarbeiten zu können oder selbst über den Tellerrand der Büro-Zuständigkeiten zu gucken und die vielen thematischen Angebote in anderen öffentlichen Ausschüssen, Fachgesprächen und sonstigen Veranstaltungen zu nutzen. Auch verlangten die größeren Projekte meines Praktikums einige Eigenständigkeit und viel learning-by-doing. Zusammen mit dem Studentischen Mitarbeiter recherchierte, entwarf und formulierte ich ein längeres Positionspapier zu netzpolitischen Fragestellungen, das zudem als ein kleinerer Beitrag für eine politikfeldübergreifende Stellungnahme zu Allmenden diente. Außerdem vertrat ich die Büroleiterin für zwei Wochen, in denen die Koordination von Termin-, Medien- und Bürgeranfragen sicherlich die größte Herausforderung an mein Organisationstalent im Praktikum darstellte. Aber dank einer guten Übergabe und der engagierten Mithilfe des Teams gelang die Vertretung, viele Aufgaben wurden so mit der Zeit zu Routinen, so dass ich auch beständig in der Büroorganisation mithelfen konnte.

Wer sich also für die Arbeit von Parlament und Fraktion interessiert und mit netz- oder innenpolitischen Fragestellungen beschäftigt und die Bereitschaft mitbringt, sich im Teamwork sowohl auf thematische wie organisatorische Aufgaben flexibel und selbstständig einzulassen, dem kann ich ein Praktikum im Berliner Büro von Konstantin von Notz nur sehr empfehlen.