Vor-Ort-Besuch in Römnitz: Schneller Profit auf Kosten von Landschaft und Leuten?

Bundestagsabgeordneter von Bündnis 90/Die Grünen

Vor-Ort-Besuch in Römnitz: Schneller Profit auf Kosten von Landschaft und Leuten?

IMG_6893Bei einem Vor-Ort-Besuch informierten sich die grünen Wahlkreisabgeordneten Burkhard Peters und Konstantin von Notz über den aktuellen Stand der Planungen zum hochumstrittenen Immobilienprojekt in Römnitz. In dem malerischen Dorf ist der Bau mehrerer Häuser – vorgeblich für Ferienwohnungen – in unmittelbarer Uferlage und Nähe zu geschützten Naturgebieten geplant. Betroffene Anwohner und Mitglieder einer Bürgerinitiative informierten die Parlamentarier und Journalisten über die schwerwiegenden Bedenken und Ungereimtheiten des Planungsverfahrens, das in der Kleinstgemeinde durch die Versammlung aller dort gemeldeten Personen entschieden wird. IMG_6914Der Nachbar Axel Schulz verdeutlichte die mögliche Präzedenzwirkung für die ganze Region: „Wie hier so dicht und massiv direkt zwischen Naturschutzgebieten gebaut werden soll, hat anderswo im ganzen Kreis noch niemand durchbekommen. Das würde für viele weitere Bausünden inmitten unserer wunderschönen Seelandschaften Tür und Tor öffnen.“ Der Landtagsabgeordnete und innenpolitische Sprecher Burkhard Peters kündigte an, nochmals in Kiel nachzuhaken, inwiefern nach geltendem Recht nicht Naturschutz und Bauvorschriften überhaupt gegen einen so tiefen Eingriff in die Nahtstelle mehrerer ökologisch so sensibler FFH- und Naturschutzgebiete spricht. Denn nach Behördenbedenken mussten bereits Planungsänderungen vorgenommen werden, die allerdings das Projekt nicht kleiner, sondern nur massiver machen würden. „Diese dreigeschossigen Klötze mit Ausrichtung zur Uferseite verschandeln die einmalige Seeufer-Silhouette am Ratzeburger See ganz erheblich.“ Römnitz UferansichtDer Bundestagsabgeordnete Konstantin von Notz betonte mit Blick auf das in der Gemeinde selbst kontroverse Projekt: „Es kann nicht sein, dass hier Investoren von irgendwo aus Deutschland kommen, um mit leeren Versprechungen für ein Luxusprojekt die schnelle Mark machen zu wollen und sich darüber eine ganze Dorfgemeinschaft zu spalten droht. Wie bei vielen anderen Projekten geht es auch hier vermutlich gar nicht wirklich um Tourismus, sondern um viel lukrativere Eigentumswohnungen, die die Dorfstruktur völlig überfordern würden. Als Grüne sind wir durchaus für einen naturnahen Regionaltourismus, der aber zur Landschaft und Anwohnerschaft passen muss. Hier aber wollen einige wenige auf Kosten der ganzen Region profitieren.“ IMG_6896Denn der Anwohner und örtliche Campingplatz-Betreiber André Franke machte klar, dass die eigentlich direkt betroffenen, langjährigen Anwohner im Ortsteil Römnitz mit großer Mehrheit gegen das Projekt seien. In der Gemeindeversammlung sind aber auch weiter entfernte Ortsteile stimmberechtigt, zudem erscheinen zur Versammlung örtliche gemeldete Personen, „die wir ansonsten noch nie im Dorf gesehen haben. Das hat mit einer fairen Direktdemokratie und einer transparenten Kommunalpolitik nichts zu tun.“ Die Bürgerinitiative und Grünen werden weiterhin dem Projekt kritisch auf die Finger schauen und alle möglichen rechtlichen und politischen Mittel zu einer grundlegenden Korrektur prüfen.

Lesen Sie hier den Artikel „Filetstück verunstaltet“ im Ratzeburger Markt vom 1. November sowie hier den LN-Artikel „Von Notz geißelt Römnitzer Bauprojekt“ vom 2. November oder hier den Artikel in Herzogtum Direkt vom 12. November.

 

2 Antworten

  1. Hallo alle zusammen,
    schade dass alles mal wieder so heimlich durchgepeitscht wurde. Dem muss man mit „gleichen Waffen“ entgegentreten. Wichtig ist, zum Zeitpunkt der Auslage der Bauunterlagen einzuschreiten. In meiner Nachbarschaft sollte ein Maststall für 80000 Masthähnchen entstehen und wir sind an dem gleichen Punkt – dafür haben wir einen Einwendungsgenerator entwickelt und online gestellt, mit dem im Jahr 2011 dadurch 900 Einwendungen erstellt wurden. Das Verfahren musste abgebrochen und mit einem „Deal“ zwischen Betreiber und Bauamt 3 Jahre später neu gestartet werden. Derzeit läuft der Generator wieder für die zweite Runde. Schaut euch das mal an und tragt gern etwas ein – prinzipiell lässt sich das für JEDES Bauvorhaben einrichten. Und dann trauen sich die Leute auch, rechtzeitig fundierten Protest zu formulieren. Und DAS fehlt in diesem Land…
    http://maststallstoppen.promut.net
    Schöne Grüße
    Oliver Victor von der Erlebnisbahn Ratzeburg

    • Wahlkreis sagt:

      Lieber Oliver Victor,
      vielen Dank für Deinen Hinweis. In der Tat ist eine möglichst frühe, breite und fachkundige Mobilisierung für eine erfolgreiche Bürgerbeteiligung gegen intransparente Großprojekte unerlässlich. Solange nicht Planungsverfahren und Verwaltungen bürger- und beteiligungsfreundlicher werden, braucht es umso mehr eine rege Zivilgesellschaft, die rechtzeitig interveniert. Bei schwerwiegenden Verfahrensfehlern und Einwänden konnte so manches Skandalprojekt auch spät, aber gerade noch rechtzeitig durch politischen Druck oder vor Gericht gestoppt werden.
      Als Grüne setzen wir uns aber im Bundestag weiterhin mit einer Transparenz-Offensive für grundlegend bessere Verfahren und Betroffenenrechte ein. Als Wahlkreisabgeordnete und KommunalpolitikerInnen vor Ort stehen wir außerdem gerne als Ansprechpartner für Bürgerinitiativen und Anwohnerschaft zur Verfügung.
      Soweit mit besten Grüßen
      Team Konstantin von Notz

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