Offener Brief – Folgen der Festen Fehmarnbelt-Querung zwischen Lübeck und Lauenburg

Bundestagsabgeordneter von Bündnis 90/Die Grünen

Offener Brief – Folgen der Festen Fehmarnbelt-Querung zwischen Lübeck und Lauenburg

 

Liebe Anwohnerschaft und Anrainer,

sehr geehrte Damen und Herren,

im Nachgang zu meiner Informationsveranstaltung im Möllner Wahlkreisbüro vom 13. Februar möchte ich Sie und Euch gerne wie seinerzeit angekündigt auf den neuesten Stand zu den möglichen Auswirkungen einer Festen Fehmarnbelt-Querung auf diese schleswig-holsteinische Hinterlandstrecke bringen.

Konkret habe ich die für unsere Region zuständige Bevollmächtigte der Deutschen Bahn angeschrieben und ihr die auch schon damals von uns diskutierten Fragen vorgelegt.

Leider haben die darauffolgenden Antworten keine wesentlichen neuen Informationen zu unserem bisherigen Diskussions- und Kenntnisstand vom 13. Februar gebracht. Da jedoch mehrere Anwohner nachfragten, möchte ich für alle Interessierten gerne nochmal die Problematik umreißen:

  • Es handelt sich um eine öffentliche Eisenbahnstrecke, die eingleisig und nicht elektrifiziert ist und in Lübeck, Büchen und Lüneburg angesteuert/verlassen werden kann. Um Lübeck, Ratzeburg, Mölln, Büchen und Lauenburg führt sie an größeren Siedlungsbereichen ohne effektive Lärmschutzvorrichtungen vorbei.
  • Zur Zeit besteht kein größeres Lärmschutz-Problem, denn außer dem täglichen Regionalverkehr mit einem (vergleichsweise leisen) Schienenbus kommt es im Fernverkehr (Personen und Güter) nur gelegentlich zu Fahrten.
  • Sollte die Feste Fehmarnbelt-Querung gebaut werden, wird es perspektivisch zu mehr Schienengüterverkehr im südöstlichen Hinterland Schleswig-Holsteins kommen. Fraglich ist daher, inwiefern dann die Nebenstrecke insbesondere vom lärmintensiven Güterverkehr stärker genutzt werden könnte.
  • Dafür spricht, dass die Schienentrasse eisenbahnrechtlich allen Güterverkehrsträgern offen stehen muss. Als Nebenstrecke bietet sie sich als Umgehung zum chronisch überlasteten Hamburger Bahnknoten für die stark gefragten südwestlichen Quell-/Zielgebiete an. Zumal die östliche Alternativroute über Bad Kleinen noch auszubauen wäre.
  • Dagegen sprechen die fehlenden Kapazitäten auf der Anschlussstrecke hinter Lüneburg sowie der mangelnde Ausbau der Strecke (die nicht elektrifizierte Infrastruktur schränkt Zuglänge und -gewicht relativ stark ein und bedarf aufwendiger Antriebswechsel).

Die Deutsche Bahn betonte uns gegenüber daher, dass die Strecke nur eine untergeordnete Rolle spielt und auch zukünftig spielen würde, da keine größeren Ausbaumaßnahmen geplant seien. Eine Garantie ist das jedoch freilich nicht. Die Erfahrung von anderen lärmgeplagten Streckenanrainern zeigt: Wo ein Bedarf besteht und es rechtlich wie technisch möglich ist, fahren die Güterzüge ohne Rücksicht auf Anwohner und Umwelt.

Daher werden wir das Prestigeprojekt der Festen Fehmarnbelt-Querung – das wir ja grundsätzlich aus verkehrsökonomischen, ökologischen und haushälterischen Gründen kritisieren – weiterhin im Auge behalten und Sie und Euch gerne weiterhin auf dem Laufenden halten.

Bei entsprechendem Interesse bitte einfach eine kurze Mail an konstantin.notz.wk@bundestag.deschicken, um in unseren Verteiler aufgenommen zu werden. Bitte leitet/leiten Sie diesen Brief gerne auch an alle Interessierten weiter.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Konstantin v. Notz