Wasserbau in Lübeck

Kanalausbau: verkehrsökonomisch fragwürdig, haushälterisch verantwortungslos und für die Region ohne Nutzen

Die jüngsten Nebendebatten um Privatisierungspläne und spitzfindige Projektdetails lenken nur ab. Fakt bleibt: Kosten und Nachteile des Kanalausbaus stehen in einem irrwitzigen Verhältnis zu einem minimalen Nutzen für ganz wenige Frachtschiffer und der vermeintlichen Profilierungsmöglichkeit der Bindestagsabgeordneten der Großen Koalition. Ob unabhängige Umwelt- und Verkehrsexperten, die Binnenschiffer oder selbst der Staatssekretär des Bundesverkehrsministers: Alle, die mit etwas Sachverstand und ungetrübt von Partikularinteressen auf dieses Projekt schauen, erkennen das auf den ersten Blick.

 

Auch die Region hat wenig davon: Ganz gleich, wie genau nun die Kurvenbegradigung bei Güster oder der Ufer-Ausbau erfolgt – sicher ist, dass es sich um einen immensen Eingriff für Natur, Anwohner und historisch wertvolle Baudenkmäler handelt. Das idyllische Kanalleben – mit dem gern touristisch geworben wird – mit Platz für geschützte Arten, Naherholung und regionalen Tourismus würde in jedem Falle leiden.

 

Ganz zu schweigen von den harten Zahlen: Dieses Projekt ist unterm Strich verkehrsökonomisch fragwürdig und haushälterisch verantwortungslos. Ja, die Güterverlagerung auf Schiene und auch manche Wasserstraßen ist überall dort sinnvoll, wo Bedarf und funktionierende Routen liegen. Dort müssen wir die wenigen Mittel und Planerstellen für Erhalt und wo nötig auch Ausbau einsetzen. Doch völlig überdimensionierte Ausbaupläne für Frachtverkehr per Schiff und Bahn auf den marginalen Nebenstrecken zwischen Lübeck und Lauenburg sind einfach abwegig.

 

Die eigentlichen Verkehrsströme und damit auch die entscheidenden Zukunftsfragen für Wohnen und Mobilität bei uns liegen ganz woanders: Zu viele Pendler und LKWs auf verstopften Straßen, weil es zu wenig Mittel für die Bahn, den Öffentlichen Nahverkehr und kluge Vernetzungskonzepte gibt. Wir brauchen eine Bahnanbindung für Geesthacht und direkte und schnelle Zugverbindung für Mölln und andere Orte nach Hamburg. Das sollten wir endlich geschlossen und gemeinsam angehen. Stattdessen werden jetzt hunderte Millionen Steuergelder für ein offenkundig unnachhaltiges Projekt ausgegeben.

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